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Zu Besuch in der BUDE

*Werbung/unbezahlt*

Baut Buden! Vier Freunde aus Wilhelmsgrille zeigen mit ihrer WG eindrucksvoll, dass man ein Haus kaufen kann ohne sesshaft oder spießig werden zu müssen. Das Selbermachen steckt hier jedem im Blut: Handcraft your life!

Ich bin zu Besuch in Wilhelmsgrille, einem Dorf, das wahrscheinlich zu den kleinsten in Brandenburg gehört. Dort besuche ich die vier Jungs der Bude, die den Altersdurchschnitt im Dorf doch erheblich nach unten drücken dürften. Es ist normalerweise nicht leicht, alle vier auf einmal anzutreffen. Aber gerade habe ich Glück, denn sie stecken mitten in den Vorbereitungen zu ihrem jährlichen Sommerfest. Bei Club Mate und Bier erzählen sie mir alles über ihr trautes Heim (Baujahr 1952 mit einer Grundstücksfläche von ca. 400o qm), das sie gemeinsam gekauft haben.

Auf ihrer Website stellen sie ihr Projekt folgendermaßen vor:

Helge, Andreas, Semjon und Juri. Wer von uns vieren zuerst auf die Idee kam, weiß niemand mehr. Vielleicht war es auch nur der Konsum von Bauhaus-Werbung nach einer durchzechten Nacht. Jedenfalls wachten wir eines morgens auf und hatten einen Traum. Einen Traum von den eigenen vier Wänden. Für jeden eine. Im November 2013 haben wir dann all unseren Mut zusammen genommen und sind in das idyllische Wilhelmsgrille gezogen. Jetzt wird gehämmert und gesägt, gespachtelt und gefeiert. Das Leben ist eine Freude!

 

Seit wann seid ihr befreundet?

Andreas: Semyon und Juri sind Brüder. Ansonsten seit 20 Jahren oder so?! Ich hab damals kurzzeitig bei ihnen gewohnt und Helge ist der Neuste. Ich hab Helge aber auch schon mit 7 oder 8 kennengelernt. Also kennen wir uns auch schon ewig.

 

Wie kam die Idee zur Bude?

Semyon: Es gab die Idee zu einem gemeinsamen Haus schon sehr lange und die Idee hatte viele Stadien. Also wer jetzt überhaupt alles mitmacht und wie genau. Mehr waren wir eigentilch nie, nur weniger hin und wieder. Konkret haben wir uns zwei Jahre lang verschiedene Häuser angesehen.

Helge: Ich war relativ lange nicht dabei. Es war für mich nicht die richtige Zeit, auch weil meine Freundin aus Dortmund kam. Aber dann war für zwei Monate Schluss und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass der Zug dann ohne mich abfährt und wir haben das Haus gemeinsam gekauft. Jetzt sind wir aber wieder zusammen und es geht trotzdem irgendwie (lacht).

 

Warum eigentlich Wilhelmsgrille?

Andreas: Es gab die Auswahl zwischen West-Kyritz und Ost-Kyritz und Ost-Kyritz war nicht so geil wegen des Gestankes der Stärke-Fabrik. Helge und ich sind hier in der entfernteren Nähe groß geworden, Semyon und Juri ganz woanders. Aber wir haben schon konzentriert hier gesucht, weil wir hier viele Leute kennen, sowie die Gegend und ihre Strukturen. Außerdem sind wir aufgrund unserer Geschichten mit der Gegend verbunden. Letztlich war es auch etwas Pragmatismus, da wir uns hier einfach mal ein Auto leihen und rumfahren konnten , um zu schauen, was wirklich leer steht. Wir hatten uns mehrere Häuser im Laufe der Zeit angesehen, die wir kaufen wollten, aber bei denen es letztlich dann aus unterschiedlichen Gründen nicht zum Kauf kam.

Wie wurdet ihr hier aufgenommen? Da ich auch aus der Nähe bin, weiß ich ja, dass die Leute es hier manchmal schwer haben mit alternativen Lebensentwürfen…

Helge: Der Lebensentwurf ist gar nicht so das Thema, entscheidend ist, wie man drauf ist. Wir helfen im Dorf, bringen uns ein, reparieren mal ‘ne Gartenbank oder so. Und mit manchen hat man einfach nichts zu tun. An sich sind viele auch froh, dass sich hier mal was tut und junge Leute hier herkommen. Außerdem ist der Ort recht klein und wir sehr viele…

 

Ist das Haus als Projekt das Ziel oder soll das auch fertig werden?

Andreas: Im Moment gibt es wahnsinnig viel zu tun, aber das soll kein Dauerzustand sein. Es soll schon mal fertig werden, das ist auf jeden Fall der Plan.

Ist das der letzte Ort, an dem ihr leben wollt?

Semyon: Soweit denken wir nicht, das fragen zwar viele, aber so sehen wir das nicht. Es ist von uns allen das Ziel, eine Basis zu haben, für die wir keine Miete zahlen müssen. Aber wir sind viel unterwegs und das wollen wir auch weiterhin sein. Hier haben wir einfach unseren Platz, an den wir immer zurückkehren können. Wenn irgendwann viel Familie dazu kommt, reicht der Platz auch nicht mehr. Aber darüber denken wir dann nach.

Andreas: In den Bauwagen auf dem Hof beherbergen wir auch immer wieder über längere Zeit Freunde oder Familie. Momentan wohnt Immanuel, der Bruder von Semyon und Juri, bei uns im Bauwagen.

Semyon: Falls jemand von uns mal Bock auf was anderes hat und zum Beispiel für ein Jahr weg geht, dann ist er ja nicht raus oder so und wir trennen uns auch nicht deswegen. Sondern dann geht er halt weg. Dadurch, dass wir zu viert sind, kann immer jemand die Stellung halten. Wenn einer allein ein Haus hat und mal was anderes machen möchte, dann muss er sich schon krass kümmern, dass das irgendwie funktioniert. Wir arbeiten eher daran, dass wir hier unseren Platz haben, aber auch den Freiraum, hier nicht sein zu müssen.

Helge: Wenn ich jetzt hier sein müsste, weil ich ein Haus habe, wäre das eine Verpflichtung, die ich gar nicht haben möchte. So wie wir das machen, sind wir da viel freier.

Was ist euer Lieblingsprojekt im Haus?

Andreas: Gibt es eigentlich nicht. Ist geil, wenn es fertig ist. Man guckt irgendwie nur von Aufgabe zu Aufgabe.

Semyon: Außerhalb vom Haus haben wir natürlich unsere ganz eigenen Projekte neben Studium und Beruf. Juri ist gerade Papa geworden und ist natürlich mit seinem Sohn beschäftigt. Helge organisiert das Schulfrei-Festival mit, Andreas drechselt und ich hab in Potsdam das BMX-Fahren.

Macht ihr alles selbst oder holt ihr auch mal Fachleute?

Andreas: Wir machen alles selbst, außer die Getränke, die lassen wir uns liefern. Nee, Quatsch. Also man holt sich schon mal einen Rat von Kollegen oder so, aber bisher haben wir alles selbst gemacht. Außer so Pflichtsachen wie Schornsteinfeger oder so. Aber eigentlich haben wir schon für die meisten Sachen, die bisher angefallen sind, die Expertise.

Helge: Ich bin Elektriker, speziell für Photo-Voltaik-Anlagen, Semyon wird gerade Tischler. Andreas ist Fachmann für Innenausbau, Dämmung aus ökologischen Baustoffen und Fenstereinbau. Juri sorgt für die Ideen und hilft, wo er kann, seinen Fachbereich hat er als Interface-Designer aber woanders. Außerdem helfen auch immer wieder Freunde und Familie. Wie zum Beispiel die Mutter von Semyon und Juri beim Aufarbeiten der alten Backsteine.

Nutzt ihr das Grundstück auch zum Anbau?

Juri: Noch nicht im Sinne eines Gartens, nein. Aber wir haben sehr viele Obstbäume, die werfen soviel ab, dass wir das gar nicht allein essen können. Freunde und Familie werden mit versorgt und wir bringen einen Teil nach Kyritz in die Mosterei.

Wie organisiert ihr euer Zusammenleben?

Andreas: Alles, was mit dem Hof zu tun hat (Werkzeug etc.) wird aus einer gemeinsamen Kasse bezahlt. Da zahlen wir monatlich ein.

Was genau ist jetzt die Bude bzw. was ist Handcrafted Life? Da steckt ja mehr dahinter als Zusammenleben.

Semyon: Also zuerst war die Bude, sozusagen der Projektname für das Haus. Dazu gab es dann eine Facebook-Seite und später dann eine Website. Die Bude ist schon ganz klar das Haus und wir vier. Am Anfang ging es einfach darum, den Freunden und so zu zeigen, was wir machen, aber mittlerweile sind das nicht mehr nur Freunde, die uns folgen oder sich für das interessieren, was wir tun.

Jetzt steht das Handcrafted Life für sich allein. Da gibt es nicht so ein klares Konzept, was wir uns überlegt haben. Es ist über die Zeit entstanden, Handcrafted ist für uns ein Lifestyle, bzw. unser Lifestyle. Und außerdem brauchte Juri auch mal was zu tun, und musste uns deswegen eine Seite bauen, damit er ausgelastet ist.

Helge: Für mich bedeutet Handcrafted Life, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Also kein Leben vom Fließband, das versucht, fremden Erwartungen gerecht zu werden. Sondern dass ich nur das mache, was zu mir passt und mir wichtig ist. Den Mut zu haben, die Dinge anzugehen, da ist die Bude ja auch das beste Beispiel. Vorher haben auch viele gezweifelt, ob das eine gute Idee sei.

Nach einer guten Stunde inklusive Haus- und Dachstuhlführung (der ist nämlich das aktuelle Projekt und wird mit Naturstoffen gedämmt und ausgebaut, um später für großzügige Zimmer zu sorgen) wackel ich ein wenig wehmütig zurück in unser Büro. Hab ich doch schon lange den Wunsch, auch ein Haus zu besitzen und die Jungs, die auch noch ‘ne Ecke jünger als ich sind, machen es einfach. Ich fand den Besuch in Wilhelmsgrille mega inspirierend und würde mich sehr freuen, wenn die Geschichte auch dich anregt, Buden zu bauen!

Wenn du vielleicht selbst mal vorbei schauen möchtest, kannst du das in knapp zwei Wochen auf dem diesjährigen Schulfrei Festival tun (sofern es noch Karten gibt). Oder du folgst der Bude bei Facebook oder Instagram.

Handcraft your life!

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