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Zu Besuch bei BRAINtogo

BRAINtogo aka Paul Rentzel ist ein Berliner Sprayer und Künstler, der vor allem Leinwände und Wände bemalt und alte Geweihe (die er alle von seinem Opa vermacht bekam) plastisch verändert. Paul ist schon lange ein Kollege von mir (ohne Brotjob geht’s eben bei uns beiden noch nicht) und ich war schon immer fasziniert von seiner Art zu malen und liebe vor allem seine Charaktere, die alles immer ein bisschen mürrisch beobachten.

Statt Paul immer an der Kaffeemaschine mit meinen Fragen zu nerven, durfte ich ihn in seiner Wohnung besuchen. Diese ist eigentlich nur noch Atelier, wohnen tut er mit seiner Freundin längst woanders.

Würdest du dich als Künstler oder Sprayer bezeichnen?
Mittlerweile eher als Künstler. Früher bin ich gerne rumgelaufen und hab alles Mögliche bemalt oder Aufkleber verklebt. Irgendwann hab ich dann nur noch Müll bemalt, weil das nicht illegal ist und jetzt mach ich eigentlich nur noch zuhause Sachen.

Seit wann machst du Kunst?
Mit Graffiti hab ich schon als Teenager angefangen und ich hab schon immer zuhause Kunst gemacht, das illegale Rumsprühen mach ich schon mindestens vier Jahre nicht mehr. Wenn ich mal die Möglichkeit habe, gewollt eine Wand zu bemalen, dann mach ich das auch sehr gern. Zum Beispiel Berlin Neuwest. Wobei ich da jetzt nicht nur sprühe sondern auch Pinsel etc. benutze. Also eher so Mixed-Media-Geschichten.

Meine erste Ausstellung hatte ich schon so mit 15-16, da hab ich gerade mal ein Jahr gemalt. Seit dem hab ich mich selbst weitergebildet, Tutorials, ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.

Sprühst du überhaupt noch viel?
Ich sprühe eigentlich nur noch die Grundierung auf Leinwänden oder auf den Geweihen. Ansonsten benutze ich viel Acryl, gerne auch die Marker, die es seit einigen Jahren gibt. Außerdem mach ich es mir gerne einfach und benutze zum Beispiel gern Schablonen, da sprühe ich dann natürlich auch.

luchacabraKannst du davon leben?
Nein. (Lachen).
Also klar, ich würde gerne davon leben können und es wird auch langsam besser, vielleicht weil ich die 30 durchbrochen habe und mehr ernst genommen werde.
Aber Verkaufen ist jetzt auch nicht grad ein Talent von mir. Ich bräuchte eigentlich jemanden, der das alles für mich regelt, so dass ich einfach malen kann und die Galerie bespiele. Das wäre schon cool. Ich würde auch gerne viel mehr Aufträge machen, Wände individuell besprühen oder sowas.

Wo findest du deine Inspiration? Hast du Vorbilder oder Lieblingskünstler?
Ziemlich viel Internet. Vor allem Blogs, bei denen viele verschiedene Künstler gezeigt werden, z. B. hier:
booooooom
thisisnthappiness
arrestedmotion

Ich mag vor allem Leute, die fotorealistisch malen, wie z.B. Gerhard Richter. Ich find die Serien gut, in denen er alles wieder unscharf gemacht hat. Ich mag auch Künstler, die eine Aussage in ihre Kunst packen. Ich würde das allerdings nicht machen, meine eigenen Sachen sollen „glückliche Kunst“ sein. Auch wenn meine Charaktere häufig gelangweilt oder genervt schauen, ist das eher selbstreferentiell. Meine Kunst soll schön sein und eine politische Aussage würde das eher kaputt machen.

Was sind deine Lieblingsprojekte?
Ich mach hin und wieder Projekte mit Kindern, das macht mir schon Spaß, auch wenn es mit Kindern natürlich auch nicht immer leicht ist. Zum Beispiel ist Selbstironie für mich immer ein Türöffner, aber Kindern geht das Verständnis für Ironie ja häufig ab und dann steht man da und wird für uncool gehalten. Natürlich ist es manchmal auch nicht einfach Kinder zu motivieren. Beim Filming for Change Festival war das ganz anders. Die Kinder dort waren es gewohnt, sich auf Festivals allein zu beschäftigen, die haben einfach losgelegt. Das war sehr cool, die hatten voll Bock und haben einfach gemacht. Meistens gibt’s dann nur technische Fragen und außerdem will ich gar nicht zuviel vorgeben, weil die dann nur noch abliefern und nicht mehr selbst gestalten.
Vielleicht mach ich demnächst sogar mal ein Team-Event für Erwachsene, wo wir kreativ ein Projekt umsetzen.

20140530_140911

Wieviel Zeit nimmst du dir für die Bilder?
Ich bin eher so der Deadline-Junkie. Ich mach viele Sachen so halb und zum Schluss dann in den letzten zwei Tagen muss dann alles fertig werden. Aber das ist dann guter Stress, ich brauch das auch. Neo Rauch hat mal gesagt, dass seine Bilder fertig sind, wenn die Spedition kommt. Und so ähnlich ist das bei mir auch. Ich brauch sozusagen den Schlussstrich, sonst find ich immer wieder etwas und werde nie fertig.

Vieles ändert sich auch während des Prozesses, weil es dann doch nicht so gut aussieht, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich mach auch gerne Sachen dreckig, ich fang zwar sauber an, aber ich mach es dann wieder kaputt, weil nicht alles computergeneriert aussehen soll. Es soll nicht aussehen, wie ausgedruckt.

i_scream_whiny_edition

Wie sieht dein Traum-Workspace aus?
Viel Licht, große Fenster. Natürlich gerne so ein großes Loft, am liebsten ein riesiger Raum, der nur in der Mitte getrennt ist und auf der einen Seite ist Wohnen und auf der anderen ist dann arbeiten. Sprühen tu ich ja nicht soviel, dafür könnte man dann auch mal rausgehen, ansonsten sind meine Arbeitsmaterialien ja jetzt nicht so stinkig. Ja doch, so eine Loft-Etage, ein bisschen dreckig so wie früher halt.
Co-Working wäre nicht so meins, da ich eher meine Ruhe brauche und auch super unkommunikativ bin, wenn ich male.

Auf welches Werk bist du am stolzesten?
Mmh…

Ich bin sehr selbstkritisch und mir gefallen die meisten Sachen nach kurzer Zeit nicht mehr so gut wie sie mir am Anfang gefallen haben. Ich glaub, meine fallenden bzw. fliegenden Sachen. Die mache ich auch gerade am häufigsten. Ich hab lange nach etwas gesucht, was gut ankommt und mir Spaß macht. Ich glaube, mit den fliegenden Dingen hab ich das für mich gefunden. Das Feedback war auch überwältigend gut. Ich werf jetzt einfach noch mehr Dinge durch die Gegend, auch wenn ich das nicht als Einziges für immer machen will.

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Ich mach weiterhin andere Dinge parallel und werde immer zusätzlich andere Sachen ausstellen. Die Geweihe mag ich immer noch sehr gerne, auch wenn ich die schon so lange mache.

Das Absurdeste, was du bis jetzt gemacht hast?
Die Gehirnlampe, die da hinten steht. Die ist aus Fimo. Wobei sie keine richtige Lampe ist und die Leuchtkraft sich in Grenzen hält.

Wenn du dir deinen Lieblingsjob malen könntest, wie würde der aussehen?
Einen ganzen Bereich bespielen, z.B. eine Galerie, dafür einen Monat Zeit haben, komplett alles einbeziehen. Die Wände bemalen, dass die danach neu gestrichen werden müssen, Installationen etc. Also einfach machen können, was ich will, ohne fragen zu müssen, ob das ok ist. Und natürlich dass das Material komplett gestellt ist. Die Galerie sollte dann auch eine etablierte sein, die ordentlich Zuschauer zieht.

Pauls Bilder angucken kannst du am 10. und 11. Juni hier: Peanut-Butter & Jelly Art Event 

5 Comments

  • Avatar
    braintogo
    15. Juni 2016 at 18:56

    Vielen dank silvi… ist super geworden. “Ich werf jetzt einfach noch mehr Dinge durch die Gegend” hab ich zwar gesagt, aber jetzt ist es mir bewusster geworden und mein neuer claim 😉

    Reply
    • Silvia
      Silvia
      18. Juni 2016 at 19:24

      Lieber Paul,

      na, das is doch bombe! Mir hat es auch viel Spaß gemacht. 😀

      Alles Gute für deinen Weg,
      Silvi

      Reply
  • Avatar
    Angelika Weltzin
    17. Juni 2016 at 16:57

    Das Bild mit dem ,,fliegendem Eis”find ich gut,welches Format hat es denn? Kann man es kaufen?

    Reply
    • Silvia
      Silvia
      18. Juni 2016 at 19:23

      Liebe Angelika,

      vielen Dank für deine Anfrage. Wir nehmen direkt Kontakt zu dir auf und verbinden dich mit Paul.

      Herzliche Grüße
      Silvi

      Reply
  • » Homestory bei Kristina
    14. Juli 2016 at 12:18

    […] habe ich die Progress-Bilder für ihre neue Wohnung bewundert und sie dann irgendwann (wie bei Paul auch neben der Kaffeemaschine) gefragt, ob ich sie mal mit der Kamera besuchen […]

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