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Sticken für Anfänger – Das Material und die Vorbereitung

#stickenfetzt

Sticken ist easy. Die geschickte Fingerfertigkeit, die man sich beim Stricken, Häkeln und Nähen antrainieren muss, ist fürs Sticken erstmal nicht nötig. Wenn man weiß, was man braucht und welches Material sich eignet, kann man sofort beginnen und hat schnell ein schönes Ergebnis. Dieser Blogbeitrag will dabei helfen.

Bei alten Tanten sieht man manchmal angestaubte aber schöne Wandbehänge, Tischdecken und Kissenbezüge, die kunstvoll mit verschiedensten Zierstichen auf Seiden, Brokaten oder sonstigen Spezialgeweben geschmückt sind. Vergesst das, das ist was für PGs (Pro Gamer). Wir konzentrieren uns erstmal auf den good ol’ Kreuzstich.

Am Kreuzstich ist toll, dass man mit ihm sehr einfach quasi alles sticken kann. Angefangen habe ich mit dieser Handarbeit, als ich meinen Brüdern einmal zu Weihnachten eine Pacman-Spielwelt auf Jutebeutel sticken wollte: ein Pixel ist ein Kreuz. Deswegen kann man sich beim Kreuzstich auch so schön seine eigenen Muster ausdenken. Alles, was sich verpixeln, was sich beispielsweise auf Karo- oder Millimeterpapier aufzeichnen lässt, kann man sticken: ein Kästchen steht dann für ein gesticktes Kreuz. (Das geht sogar soweit, dass man sich Fotos als Stickmuster umwandeln lassen kann, Software findet man dafür im Internet.)

Pacman

An Materialien braucht man nur Stoff, Stickgarn, Nadel und Schere. (Ein Stickrahmen ist für Kreuzstich-Arbeiten eher ungeeignet, allerdings macht er sich gut als späterer Rahmen.) So einfach das jedenfalls erst einmal klingt, ein wenig komplexer ist es dann schon. Auch wenn man prinzipiell jeden denkbaren Stoff besticken kann, erleichtern sogenannte Zählstoffe die Arbeit ungemein. Durch die Webart sieht man bei solchen Textilien sehr genau, wo man lang sticken muss. Ein schiefes Ergebnis ist quasi ausgeschlossen.

Loch an Loch – und hält doch

Aber auch bei den Zählstoffen gibt es Unterschiede: Hardanger, Stramin, gleichmäßig gewebte Baumwoll- oder Leinenstoffe usw. – jede Sticktechnik, jedes Vorhaben hat seinen passenden Stoff. Für den Starter-Kreuzstich eigenen sich Aida-Stoffe am besten. Das sind bewegliche Baumwollstoffe, die dennoch eine gewisse Festigkeit haben und sich nicht so schnell verziehen, wenn man beispielsweise den Faden mal etwas zu fest anzieht. Es gibt sie in verschiedenen Farben und mit verschiedenen „Lochgrößen“. Die gibt an, wie fein das Gestickte hinterher aussieht und wird meistens durch Lochanzahl pro cm angegeben, z.B. 3/cm oder 7/cm: 7 gestickte Kreuze haben auf einem Zentimeter Platz. Das ist dann auch das kleinste Gewebe, feineren Aidastoff findet man kaum.

Aidastoffe

Für den Anfang rate ich zu einer Lochgröße von 5/cm. Das ist übersichtlich und leicht zu handhaben und sieht trotzdem nicht mehr anfängermäßig aus. Von der Lochgröße hängt auch ab, in welcher Stärke man das Stickgarn braucht, also mit wie vielen Fäden man stickt. Moment. Wie viele Fäden?

Für unsere Zwecke brauchen wir 6-fädigen Sticktwist, der in der Regel in sogenannten Docken von 8 Metern Länge geliefert wird. Ich wickle mir die Docken immer sofort auf kleine selbstgebastelte Pappspulen auf, das vermeidet Fadensalat. Es gibt das Garn in unzähligen durchnummerierten Farben von verschiedenen Herstellern, die Marktführer heißen Anchor und DMC. Man muss sich nicht unbedingt auf einen festlegen; Umrechnungstabellen erleichtern das Wiederfinden des richtigen Farbtons. Tut euch den Gefallen und benutzt Markenprodukte. So verlockend günstig die Großpackungen bei Ebay & Co auch sind, die Qualität stimmt selten und die Frustration ist riesig, wenn zu dünne Fäden reißen oder die Garne abfärben.

8 Meter Faden pro Docke hört sich erstmal nicht viel an, ist aber sehr ergiebig wenn man bedenkt, dass man den Twist passend zur Lochgröße des Stoffes teilt. Die 6 Fäden sind nur lose miteinander verdreht (deswegen ja auch „Twist“), so dass das Teilen bequem geht. Wenn ich beispielsweise den 7-löchrigen Aidastoff mit dem 6-fädigen Garn besticken würde, hätte ich im Ergebnis viele Knubbel und Würste und kein schönes Stickbild mehr. Das wäre zu viel Faden für zu kleine Kreuze. Stattdessen würde ich hier nur zwei von den 6 Fäden nehmen und hätte also schon einmal die dreifache Menge Garn aus einer Docke gewonnen. Für 5-löchrigen Stoff eignen sich 3 Fäden sehr gut.

Sticktwist

„Langes Fädchen, faules Mädchen“

Dieser Oma-Satz ist gendermäßig zwar problematisch (schließlich sticken auch Jungs coole Sachen, z.B. die von Sticknlisten), er ist aber auch so wahr! Ein Faden von 50 cm Länge ist völlig ausreichend. Alles andere ist zu lang, die Gefahr des unlösbaren Verknotens hoch. Natürlich muss man, je kürzer der Faden ist, ihn auch häufiger wechseln – und also auch sauber vernähen, was mitunter nervt… Wir haben also den Stoff und das passende Garn – wenn ihr jetzt noch eine stumpfe Sticknadel (die spitzen Nähnadeln eignen sich wegen der Verletzungsgefahr nicht) zur Hand nehmt, habt ihr alles, was ihr zum Sticken braucht und es kann fast schon losgehen.

Material

Für das allererste Stickprojekt sollte man sich für das schnelle Erfolgserlebnis etwas Kleines aussuchen. Nachdem man daran ein bisschen geübt hat, kann man bald zu Höherem streben. Sinnvoll ist es, sich den Aida-Stoff auf die gewünschte Größe zuzuschneiden. Soll das Ergebnis hinterher eingerahmt oder irgendwo aufgenäht werden? Dann sollte man in jedem Fall an Nahtzugaben denken und einige Zentimeter großzügiger als das geplante Projekt zuschneiden. Bei aufwendigeren Projekten, die nicht in einer schnellen Stunde gestickt werden, kann man den Rand des Stoffs vorsichtshalber mit dünnem Nähgarn lose einfassen, damit sich das Gewebe nicht aufribbelt.

That’s it. Los geht’s. #stickenfetzt

Material2g

 

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3 Comments

  • […] geht’s! Nach unserem kleinen Exkurs in die Materialkunde des Kreuzstichs sind alle Vorbereitungen getroffen, um mit einem ersten Stickprojekt zu […]

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  • […] geht’s! Nach unserem kleinen Exkurs in die Materialkunde des Kreuzstichs sind alle Vorbereitungen getroffen, um mit einem ersten Stickprojekt zu […]

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  • Avatar
    Hanna Adams
    10. Januar 2020 at 13:26

    Danke für die Tipps zum Sticken. Meine Tante hat früher viel gestickt, besonders Taschentücher und Tischdecken. Gut zu wissen, dass jede Stickart für einen bestimmten Stoff ist.

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