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Jenny / Gut zu wissen / Leben & Arbeiten

Schwanger und Selbständig

… oder selbstständig und schwanger. Denn die Selbstständigkeit war zuerst da und zunächst erstmal nicht allzu viel Aufmerksamkeit für eine Schwangerschaft. Klar, ich wusste irgendwann werde ich (bestenfalls) mal schwanger sein. Was das dann aber für meine berufliche Situation bedeutet beziehungsweise wie sich die Situation konkret zu einem Angestelltenverhältnis unterscheidet, war mir nur ansatzweise bewusst.

Und ich muss zugeben, das was ich bis dato gelesen und worüber ich mich informiert hatte, klang alles doch recht machbar.
Als es dann wirklich soweit war, habe ich natürlich recherchiert, gesucht, gelesen. Die Fakten waren nicht schwer zu finden, viel interessanter fand ich jedoch Erfahrungsberichte anderer selbstständiger (und schwangerer) Frauen: Wie haben sie sich vorbereitet? Wie erging es ihnen? Die Gefühlswelt steht schnell Kopf. Und Existenzängste hat man irgendwie eh immer, nun aber noch stärker. Und wo bekommt man überhaupt finanzielle Unterstützung her? Gibt’s die überhaupt?
Leider habe ich nicht sooooo viele Erfahrungsberichte gefunden. Ein Grund mehr, warum ich meine teilen möchte. Vielleicht hilft es dir ja!?

Schwangerschaft und Selbständigkeit – meine Erfahrungen und Erkenntnisse

Vorab möchte ich sagen, dass ich hier nur von meinen Erfahrungen berichte und keinerlei handfeste Informationen parat habe. Bürokratie unterscheidet sich nämlich schon mal von Bundesland zu Bundesland und irgendwie auch von Ort zu Ort und Bearbeiter zu Bearbeiter. Zum Glück bin ich immer sehr positiv eingestellt und lasse mich nicht allzu sehr oder allzu lange enttäuschen.

Was ich schon mal richtig gemacht habe: Stichwort Mutterschaftsgeld

Meine liebe Silvi und ich haben muckout zusammen gegründet. Da die Ursprungsidee aus meinem Köpfchen stammt und wir eine Unternehmergesellschaft (aka Mini-GmbH) gegründet haben und auch ein bisschen, weil mir Bürokratie/Unternehmensentwicklung/Organisation viel Spaß bringt, haben wir mich zur Geschäftsführerin ernannt und Silvi ist bei muckout angestellt. Damit gelte ich als selbstständig und Silvi als Angestellte.

Selbstständig Tätige haben keinen Anspruch auf Mutterschutz. Erst seit dem Jahr 2018 wurde das Mutterschutzgesetz angepasst, sodass auch GmbH-Geschäftsführerinnen Anspruch auf Mutterschutz haben. Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt sollte jede werdende Mutter sich schonen, dafür ist diese Zeit gedacht. Da Selbstständige sich ihre Zeit sowieso selbst einteilen, schien dieser “Anspruch” für den Gesetzgeber wohl nicht so wichtig zu sein. Wenn es um die finanzielle Situation geht, kann es aber knifflig werden. Denn Selbstständige bekommen nicht automatisch Mutterschaftsgeld, das während der Zeit des Mutterschutzes gezahlt wird, wie Angestellte.

Allerdings, und das war auch mein Glück, bieten die Krankenkassen die Möglichkeit, Mutterschaftsgeld zu erhalten. In meinem Fall zahle ich für die Option “Krankentagegeld” (auch nicht so unwichtig, aber ein anderes Thema) und habe dadurch Anspruch auf das Mutterschaftsgeld. An dieser Stelle, der Hinweis: ich bin freiwillig gesetzlich versichert. Privatversicherte haben je nach Krankenkasse gegebenenfalls bereits Optionen auf Mutterschutzgeld in ihrem Tarif verankert.
Tricky wird es aber vor allem bei der Berechnung. Ich bin angestellte Geschäftsführerin und erhalte (von mir selbst) Gehaltsabrechnungen und monatlich einen gleiches Gehalt. Freiberufler beispielsweise müssen für die Berechnung des Mutterschaftsgeldes ihre kompletten Einnahmen und Ausgaben angeben. Wenn es also mal ein finanziell durchwachsenes Jahr war, fällt das Mutterschaftsgeld eventuell niedriger aus, als es das Jahr zuvor der Fall gewesen wäre. In Prozenten sind das 70 % des Durchschnittsgehalts oder des durchschnittlichen Verdienstes. Ich hatte Glück: Es wurden meine monatlichen Lohnzettel als Bemessungsgrundlage verwendet. Hätte die Krankenkasse meine komplette BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung ) von der UG herangezogen, wäre die Berechnung noch komplizierter geworden. Und wahrscheinlich auch nicht gerecht. Da die Einnahmen und Ausnahmen in einer UG/GmbH sich doch wesentlich unterscheiden zu Freiberuflern/Einzelunternehmen. Zumal ich noch weitere Mitarbeiter beschäftige. Auch das Elterngeld berechnet sich aus den Einnahmen eines Kalenderjahres. Darauf hat (juhu!) ein jeder Anspruch, obgleich angestellt oder selbstständig.

Was besser laufen könnte: Stichwort Elterngeld

Pro-Tipp: Den Elterngeldantrag am besten schon soweit es geht ausfüllen, bevor das Kind geboren ist und schnellstmöglich nach der Geburt abschicken. Je nach Situation in der zuständigen Stelle, kann sich die Bearbeitung etwas hinziehen.
Das Elterngeld schließt sich an das Mutterschaftsgeld an. Wer Letzteres nicht bekommt, erhält das Elterngeld immerhin (rückwirkend) ab der Geburt. Jedoch nicht für die Zeit des Mutterschutzes vor der Geburt.
Wer solo-selbstständig ist und sein Baby betreuen möchte und demnach einen teilweisen oder kompletten Verdienstausfall hat, kann natürlich beim Sozialamt Hilfe für diese Zeit in Anspruch nehmen.

Bei uns geht es heiter weiter. Ich bin in Elternzeit. Diese steht Selbstständigen ganz genauso zu wie Angestellten und demnach eben auch das Elterngeld. Bei uns in der Firma rocken die Mädels die Bude, wir haben also keinen nennenswerten Verdienstausfall. Außerdem hat Corona sowieso alles durcheinander gewürfelt.

Das Thema Elternzeit und Elterngeld hat mir allerdings große Kopfschmerzen bereitet, denn es gibt so viele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten: Basiselterngeld, Elterngeld Plus, Partnerschaftsbonus… ok…

Dabei ist es am wichtigsten mit dem Partner zu planen. Wer möchte wie lange Elternzeit in Anspruch nehmen? Zusammen, getrennt? Wann geht wer wieder arbeiten? Fragen über Fragen und schwierig zu beantworten, da ja noch niemand weiß, wie alles laufen wird. Gut ist, dass der Antrag im Nachhinein noch geändert werden kann.

Elterngeld wird nach dem zuletzt vergangenen Steuerjahr berechnet. Selbstständige reichen also ihren letzten Steuerbescheid als Bemessungsgrundlage ein. Ich hatte also noch fix die Steuererklärung gemacht, bevor mein Baby kam, weil ich in dem Jahr auch mehr verdient habe, als im Jahr davor. Ganze 67 Prozent bekommt eine Mutter oder ein Vater als staatliche Hilfe während der Elternzeit. Ich finde das nicht besonders viel, bin aber froh, dass es die Möglichkeit in Deutschland gibt. Zudem kann man während der Elternzeit bis zu 30 Stunden im Monat arbeiten. Das damit verdiente Geld wird jedoch vom Elterngeld abgezogen. Ihr seht: Es muss viel gerechnet und gegrübelt werden. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht weiter darauf eingehen und empfehle euch eine Beratung zu dem Thema! Im Familienprotal des Bundesministeriums findet ihr alle Informationen und einen Elterngeldrechner. Probiert es mal aus.

Am leichtesten zu beantragen: Stichwort Kindergeld

Last but not least ein weiterer wichtiger Antrag, der nach der Geburt des Kindes abgegeben wird: Kindergeld. Dieser geht ganz fix, und das Kindergeld steht jedem Kind zu. Der Antrag wird recht schnell bearbeitet. Die Höhe des Kindergeldes ist für jedes Kind gleich und somit gibt es auch keine Papierschlacht.

Immer den Einzelfall betrachten

Man könnte sagen, das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt, wenn ein neues Familienmitglied dazu kommt. Das macht die Sache so richtig spannend. Von dem Papierkram sollte man sich nicht abschrecken lassen und lieber einmal mehr in eine Beratung gehen und nachfragen, als zu wenig. Denn was ich auch gelernt habe: Nicht in jeder Region wissen alle Sachbearbeiter über alles Bescheid. Sollte euch eine Entscheidung also mal komisch vorkommen, holt eine zweite Meinung ein! Das gilt ja sowieso in allen Lebensbereichen.
Jede (Neu-)Familie steckt in einer anderen Situation. Es können beide Partner selbstständig sein, oder nur eine/r von beiden. Es gibt selbstständige Geschäftsführerinnen, wie mich, die in manchen Bereichen an die Richtlinien für Angestellte “heran kommen” oder Freiberufler, Solopreneure, die für sich selbst gut oder weniger gut vorgesorgt haben. Und für alle gibt es eine Lösung! Freut euch also auf euren Nachwuchs und lasst euch bei den Vorbereitungen unterstützen. Ich hoffe, ich konnte dies ein klitzebisschen mit diesem Text.

Schau mal hier vorbei, wenn du noch nach weiteren Infos oder auch Inspiration von anderen Müttern in der Selbständigkeit suchst.

Bitte entschuldige, falls meine Ausführungen an der einen oder anderen Stelle nicht ausführlich sind. Habe ich was wichtiges vergessen? Hast du Fragen, Anregungen, Ideen, gleiche oder andere Erfahrungen? Teile sie gern mit uns!

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