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Weben für Anfänger: Tipps für den Einstieg

Ist Weben das neue Stricken? In unzähligen Wohnzimmern feiern gewebte Wandbehänge derzeit eine 70er-Jahre-Party. Makramee gesellt sich auch dazu. Unsere DIY-Freunde von früher haben es im Fundus der Boho-Ästhetik zu erneuter Aktualität gebracht. Everything old is new again.

Weben ist alt. Sehr, sehr alt. Seit 32 000 Jahren gilt die Kulturtechnik als nachgewiesen. Nach Holz- und Steinbearbeitung ist es damit eines der ältesten Handwerke überhaupt. Alle Gewebe werden, der Name sagt es schon, gewebt. Aber nicht alle Stoffe sind immer auch Gewebe. Jersey zum Beispiel, ein klassischer T-Shirt-Stoff, ist gewirkt und fällt damit in die Kategorie Maschenware. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

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Früher oder später machen die meisten eigene Erfahrung mit Weben. Im Textilunterricht der Grundschule zum Beispiel. Aus dieser Zeit stammt der Schulwebrahmen (30×40 cm), den ich neulich beim Ausräumen meines Elternhauses gefunden habe. Ich erinnere mich noch gut an die Serie kleiner Mini-Teppiche, die ich für das Puppenhaus produziert habe und daran, dass ich den Überschuss an meine Schwester verkaufen wollte. Ohne Erfolg. Damals war Webware einfach noch nicht so im Trend.

Das hat sich also geändert und ich wollte mich selbst wieder einmal daran probieren. Ich habe mich bei Pinterest umgeschaut und mir ein recht einfach scheinendes, aber trotzdem nicht nach Puppenhaus-Teppich aussehendes Modell zum Vorbild genommen. Zweifarbig mit Fransen in Form eines Dreiecks. Das sollte gehen.

Ohne Geduld geht gar nichts

Was soll ich sagen, acht Stunden und einige versemmelte Anläufe später bin ich um die Erkenntnis reicher: Ohne Geduld geht beim Weben gar nichts. Die erste Hürde war schon das Aufziehen der Kettfäden, also der senkrecht gespannten dünnen Fäden, in die man die Muster quer hineinwebt. In der Zeit der Industriellen Revolution, wo das Web-Tempo dank Maschinen etwas angezogen wurde, hat sich für diesen horizontalen Arbeitsfaden die Bezeichnung Schussfaden durchgesetzt.

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Beim ersten Versuch habe ich einfach nicht gecheckt, dass ich den Faden doppelt legen muss, damit das Prinzip des Rahmens überhaupt funktioniert. Nur so kann man jedenfalls die sogenannte Brücke, ein Mittelstück mit verschieden tiefen Kerben, richtig einsetzen. Ich habe keine Ahnung, ob es einen besseren/richtigeren Weg gibt, aber ich habe den Kettfaden (in meinem Fall übriggebliebenes Häkelgarn) einfach in einer der Flügelschrauben fixiert und habe den Faden dann entlang der Einkerbungen des Holzrahmens aufgespannt. Die Brücke habe ich erst später eingesetzt. Die kurzen Teile des Rahmens sind durch die Flügelschrauben beweglich. Damit alles unter Spannung steht, habe ich die kurzen Leisten samt Bespannung ein bisschen nach außen gedreht und festgezogen.

Weben mit Brücke

Die Brücke hilft dabei, dass die Fäden auseinandergehalten werden, wenn man das Schiffchen (die „Nadel“, auf die man die Wolle aufgewickelt hat) durchschiebt. Wenn man einen Hinfaden durchgezogen hat, dreht man an der Brücke. Das sorgt dafür, dass die Kettfäden die Lage ändern: was vorher oben war ist jetzt unten und umgekehrt. So entstehen die Schlingen, die die Schussfäden festhalten. Durch die Brücke muss man sich nicht mühselig über und unter die Fäden durcharbeiten, was toll ist. Dauert trotzdem noch alles lang genug.

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Den Faden durchschießen

Jetzt kann man mit dem Weben anfangen. Ich hatte noch Wolle-Reste in grau und rosa, die ich für meinen Wandbehang aufbrauchen wollte. Wenn man nicht mit den wollefressenden Fransen arbeitet, schluckt so ein Projekt wie der kleine Wandbehang nicht sonderlich viel Material. Sicher beeinflusst die Stärke des Kämmens (die einzelnen Schussfäden werden mit dem Kamm zu einem Gewebe zusammengekämmt) die Festigkeit und damit auch nochmal, wie viel Wolle man verbraucht. Wie bei einem alten Tintenstahldrucker ergibt sich das Webbild Linie für Linie. Bzw. Schussfaden für Schussfaden.

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Das Dreieck ergibt sich, wenn man regelmäßig die Breite der Arbeit verkleinert. Ich habe nach 5 Schussfäden einen neuen Kettfaden ausgelassen und mich so zur Spitze vorgearbeitet.

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Für die Fransen habe ich ein dreifädiges, ca. 20 cm langes Stück Wolle um die Kettfäden geschlungen und mich damit am Rand des gewebten dreiecks vorgearbeitet. Anschließend habe ich noch einmal einen ca. 2 cm breiten Rand gewebt, der die Fransen an ihrer Position hält.

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Als die Webarbeit fertig war, habe ich die Spannung gelöst und das Gewebe vorsichtig aus dem Rahmen gehoben. Die Kettfäden habe ich auf beiden Seiten dicht am Gewebe verknotet. Dann musste ich nur noch die Fäden des Farbwechsels auf der Rückseite vernähen und eine Aufhängung finden. Als mein kleiner Boho-Hänger dann an seinem Platz hing, habe ich die Fransen und die Kettfäden in Form geschnitten. Das Tagewerk war vollbracht.

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Für die ersten Versuche braucht man nicht unbedingt einen Webrahmen. Es geht auch mit einem Stück Pappe. Oder einem alten Holzbilderrahmen, in den man Nägel klopft. Wer zu ungeduldig und gleichzeitig zu pingelig ist, für den ist Weben vielleicht nicht unbedingt das richtige Hobby. Wer sich aber am Machen statt am Produkt erfreut – der wird viel Spaß bei der Entdeckung des jahrtausendalten Handwerks haben.

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